die „Blanke Helle“

Einzigartig – mystisch – Kraftort sind nur einige der Bezeichnungen, welche die „Blanke Helle“ begleiten. Sicher aber ist, es handelt sich um einen tiefen See, inmitten einer wildwüchsigen Grünanlage, gelegen in Berlin-Tempelhof am Alboinplatz. Die Entstehung des Kleinodes ist schon sehr lange her. Es muss zu einer Zeit gewesen sein, als die Temperaturen nicht über die frostigen 5 Grad stiegen.

Bei der „Blanke Helle“ handelt es sich um ein eiszeitliches Toteisloch, zu dessen typischen Merkmalen die ursprüngliche Nährstoffarmut, die Offenheit und die ungleichmäßigen Wasserstände zählen. Solche Voraussetzungen bevorzugen eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen und so hat sich in den letzten Jahrzehnten eine ansehnliche Grünanlage entwickelt, die seit 2004 als Naturdenkmal ausgewiesen ist. Besucher staunen nicht nur über den tiefliegenden See, sondern auch über die mächtigen Bäume und Gehölze sowie die Vielzahl an Wiesenpflanzen, Kräutern, Pilsen und Wassergewächsen. Für die Lebendigkeit der Anlage sorgen Unter- und Überwasser als auch in den Grünbereichen die unterschiedlichsten Stadtbewohner. Aufmerksame Besucher können neben Fischen und Fröschen, Wasservögel, Eichhörnchen, Fuchs, verschiedene Vogelarten als auch Flug- Kriech- und Laufinsekten beobachten.

Ein weiterer Blickfang der „Blanke Helle“ ist ein riesiges Denkmal, das am Rand, hoch oben über dem See thront. Dabei handelt es sich um einen monumentalen Stier, der mit gesenktem Kopf, dicken Hörner und bulligem Nacken in Angriffsstellung über das Kleinod zu Wachen scheint. Vor allem bei direkter Sicht auf die Vorderseite wird eine mächtige Bedrohlichkeit spürbar. Alteingesessene oder „echte“ Berliner nennen die Statue liebevoll “ Der größte Ochse von Berlin „. Tatsächlich aber, stellt sie einen Sier dar. Genauer handelt es sich um einen der der Stiere, die zu Hel, der Göttin der Fruchtbarkeit und der Unterwelt, gehören. Entstanden ist das Denkmal aus Rüdersdorfer Kalkstein in den Jahren 1934/1936 nach einem Entwurf des Bildhauers Paul Mersmann. Die  Maße betragen neun Meter Länge und und sieben Meter Höhe. Laut Aussagen des Sohnes soll sich innerhalb der Skulptur eine Kartusche mit einem Aufruf gegen Hitler befinden, unterzeichnet vom Bildhauer und anderen Künstlern.

Unterstützt wird die Ausdruckskraft der „Blanke Helle“ durch eine Sage mit folgendem Wortlaut: In früherer Zeit wuchs ein dichter Wald rund um den See, in dem sich eine Opferstelle für die Göttin Hel befand. Für den Erhalt der Stelle, war ein germanischer Priester verantwortlich, der in der Nähe in einer Hütte wohnte und sich von Ackerbau ernährte. War es an der Zeit das Feld zu bestellen, streckte er die Arme gen Himmel und winkte über den See. Sofort erhob sich das Wasser, öffnete einen Spalt und zwei schwarze Stiere sprangen heraus. Der Priester spannte die Tiere vor seinen Pflug und beackerte den Uferstreifen um das Gewässer. Nach getaner Arbeit, schickte er die Stiere  zurück ins Wasser und säte Getreide aus. Bald darauf konnte er  eine reiche Ernte einholen, die ihn das Jahr über ernährte. Als Zeichen seiner Dankbarkeit legte er einen kleinen Teil der Ernte für die Göttin Hel auf den Opferstein, zündete ein Feuer an und betete zu ihr.

Es trug sich zu, dass eines Tages ein christlicher Mönch zur „Blanke Helle“ gelangte. Der Priester deutete sein Auftauchen als Zeichen Hels für seinen nahen Tod. Er nahm den Mönch in seine Hütte auf und übertrug ihm die Bewachung der Opferstätte nach seinem Tod. Bald darauf verstarb der nun altegewordene Priester. Alleingelassen besann sich der Mönch seines christlichen Glaubens und weigerte sich die heidnischen Rituale der Göttin Hel durchzuführen: Er spannte nicht die Stiere an, beackerte nicht den Boden und fuhr auch keine Ernte ein. So dauerte es nicht lange und der Mönch wurde vom Hunger gequält. In seiner Verzweiflung rief er seinen Gott an und bat ihn um Erlösung und ihn zu sich zu nehmen. Kaum war das Gebet ausgesprochen, erklang ein lautes Getöse. Das Wasser der „Blanke Helle“ begann zu beben, türmte sich auf, die Stiere stiegen heraus, sprangen in das Joch und pflügten mit lautem Gebrüll das Ufer –  immer und immer wieder. Der Boden innerhalb des Kreises erzitterte, ein riesiges Loch entstand und verschlang Stiere, Mönch, Hütte und Opferstein.

Noch heute soll Hel den Menschen zürnen und es heißt, dass jedes Jahr der „Hellpfuhl“ sein Opfer hole.

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