echt stark

Flutsch2017 (2)

Flutsch2017 (4)

Flutsch wurde im Laufe der Evolution dem Nutzen der Natur angepasst. Sein Körper ist schlauchartig und kann bis zu dreißig Zentimetern lang werden. Er besitzt weder Beine noch Arme und ist taub, blind und stumm.

Seine gemütliche Wohnung liegt unter der dicht bewachsenen Kleewiese, gleich neben dem Philodendronstrauch. Dort findet er die Bedingungen, die er für ein anständiges Leben benötigt: die Erdbeschaffenheit ist locker genug, um lange Gänge zu bauen – das Nahrungsangebot ist ausreichend –  es gibt Schutz vor allzuvielem Regen und gefräßigen Feinden. An heißen Sommertagen verhindert der Laubbusch durch seinen Schatten das gänzliche Austrocknen des Bodens und an eisigen Wintertagen schützt er vor zu starkem Auskühlen. Nur manchmal, wenn das Wetter verrückt spielt und die Hitze oder die Kälte überhandnehmen, muss Flutsch tiefer in die Erde graben, um einen sicheren Platz zu finden. Dort angekommen, ringelt er sich schützend zusammen und fällt in eine Art Sommer- oder Winterschlaf.

Beim Graben durch das Erdreich bohrt Flutsch sein dünnes Vorderteil in eine Erdlücke und schiebt die Erde beiseite. Es entstehen Bauwerke, die pro Quadratmeter bis zu zwanzig Meter Länge messen und bis in sieben Meter Tiefe reichen. Es kommt vor, dass er das Sechzigfache seines eigenen Körpergewichts stemmt. Dieses Kraftvermögen brachte ihm den Ruf ein, eines der stärksten Wesen der Welt zu sein. Seine Fortbewegung schafft er mittels elastischer Ring- und Längsmuskeln, die sich an seinem Körper befinden. Zieht er diese zusammen wird er dick und kurz, zieht er sie auseinander wird er dünn und lang. Damit das auch funktioniert und er nicht zurückrutscht, rammt er kurze Borstenpaare in den Boden. Und damit die ausgeklügelte Mechanik funktioniert, muss der Untergrund ausreichend feucht und rutschig ist.

Es ist schon einige Tage her, dass Flutsch einen Ausflug auf die Oberfläche unternehmen musste. Dafür verantwortlich waren unzählige Regentropfen, die mit voller Wucht auf die Erde prasselten, diese aufwühlten und, ehe er sich versah, ihn nach oben hievten. Sofort verspürte er das beißende UV-Licht auf seiner ungeschützten Haut und er suchte eine Lücke, um eilig wieder in den schützenden Untergrund zu verschwinden. Zum Glück entdeckte ihn keine der vielen fleischfressenden Vögel, für die der lichtscheue Geselle eine beliebte Leckerei darstellte.

Schlaue Gartenbesitzer schätzen die Nützlichkeit von Flutsch und sehen ihn gerne in den Beeten. Zum einen lockert er die Erde auf, zum anderen bieten seine erdigen Ausscheidungen besten Kompost – unbezahlt. Grund dafür ist seine Ernährung, die aus Blättern, abgestorbenen Pflanzenresten und Mikroorganismen besteht. Nach Möglichkeit vertilgt Flutsch am Tag die Hälfte seines Eigengewichtes. Da er keine Zähne besitzt, wendet er einen schlauen Trick zum Zerkleinern der festen Nahrung an: er sammelt Pflanzenteile in seiner Wohnröhre und benetzt diese anschließend mit seinem Schleim. Diese Mischung mögen besonders die Pilze und Bakterien. Angelockt vom delikaten Aroma breiten sie sich auf der Nahrung aus und zerkleinern sie so stark, dass Flutsch sie mühelos vertilgen kann. Beim Aufnehmen der Mahlzeit, gelangt auch Erde in den Verdauungstrakt und es entsteht eine Komposterde, die besser nicht sein kann. Scheidet das Tier diese  aus, gelangen wertvolle Nährstoffe in den Boden.

Manchmal kommt es vor, dass Regenwürmer durch zu starken Regen, Baumaßnahmen oder unachtsamen Verhaltens von Menschen auf einem Untergrund landen, auf dem sie sich nicht fortbewegen können. Das kann trockene Erde, Asphalt, Beton usw. sein. In solchen Fällen sind die Tiere dem Verderben ausgesetzt. Entdeckt Ihr mal einen solch hilflosen Kerl, hebt ihn beispielsweise mit einem Blatt vorsichtig auf und tragt ihn an einen Ort, wo es feucht aber nicht zu nass ist und er sich in der Erde vergraben kann. Er wird es Euch danken….

Der geteite Regenwurm:

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass sich aus den zwei Teilen eines getrennten Regenwurmes zwei neue Regenwürmer entwickeln. Tatsächlich kann nur das Vorderteil weiterleben und auch nur dann, wenn darin ausreichend gesunde, lebenswichtige Organe vorhanden sind. Der hintere Teil wächst als dünnerer nach. Es sei denn, die Wunde des verletzten Tieres entzündet sich und es stirbt daran.

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