der Friseur Chris Well

Zur guten Pflege des Menschen gehört eine anständige Frisur. Damit diese auch gelingt, sollte nur ein echter Profi die Haare bearbeiten. Chris Well ist so einer und kümmert sich in seinem kleinen aber feinen Friseursalon mit viel Herzblut um die weiblichen und männlichen Kunden. Die Behandlung ist ganzheitlich, denn Well verwöhnt nicht nur die Kopfhaut und die Haare, sondern hat auch ein offenes Ohr für die persönlichen Probleme seiner Kunden. Wer einmal in den Genuss der Hinwendung des Friseurmeisters gekommen ist, wird den Salon in seinem Gedächtnis behalten und ihn immer wieder besuchen.

Zu den treusten Kunden Chris Wells gehört Gisela Brust. Seit die betuchte Witwe aus der gehobenen Nachbarschaft  Ihren Mann durch ein Krebsleiden verloren hat, besucht Sie regelmäßig den Salon. Dabei geht es Ihr nicht nur um die perfekte Haarpracht, sondern sie genießt die liebevolle Zuwendung des Friseurs und sammelt neue Kraft für den Alltag. Die Beziehung zwischen Ihr und Well besteht seit vielen Jahren und basiert auf gegenseitiger Wertschätzung und sicherem Vertrauen. Endgültig besiegelte wurde die Verbindung nachdem die Witwe Ihren Freund von erdrückenden Schulden befreit hat  und Ihm aus einer tiefen Krise half. Damals handelte es sich um den dunkelsten Tag im Leben des Friseurmeisters, denn der Gerichtsvollzieher versiegelte die Eingangstür seines Salons mit dem befürchteten Kukuk. Dass es dazu kam, war von Well lange vorbereitet. So leerte er zwar täglich gewissenhaft den Briefkasten,  beachtete die  Mahnschreiben aber nicht, sondern stapelte sie ungeöffnet neben dem Telefon. Wahrscheinlich beruhigte Ihn die Annahme, dass der griechische Gott des Reichtums Hades die Rechnungen schon bezahlen werde.

In die Schuldenfalle rutschte Chris Well durch seinen langersehnten Umbau des Firseursalons. Fasziniert von der Vielfalt der gestalterischen Möglichkeiten und der Aussicht in einem Raum zu arbeiten, der ganz und gar seinem einzigartigen Geschmack entspricht, verlor der Meister den Blick über seine Liquidität. Und erst die erdrückende Schwere der zahlreichen Mahnschreiben und die Drohung des Verlustes seines „Babys“, wie er den Salon gerne nannte, holten Ihn aus dem Traum von einem exklusiven 70ger Jahre – Etablissement in die Realität eines bezahlbaren Geschäftes zurück. Es war höchste Zeit, und er musste handeln.

Es gab nur eine Person, die das geeignete finanzielle Polster besaß. Gisela Brust hörte die Sorgen von Chris Well geduldig an und versicherte Ihr Mitgefühl. Nachdem Sie  die Vorteile für sich erkannt hatte, bot Sie Ihm die notwendige Geldsumme zur Schuldentilgung. Als Gegenleistung verlangte Sie einen Schuldschein mit der Bedingung auf ein lebenslangs  Recht einer persönlichen und kostenfreien Behandlung Ihres Freundes. Dieser zögerte nicht lange und willigte dankbar ein.

Chris Well ist ein Meister der alten Schule, für den das Friseurhandwerk das schönste aller ist. Schon seit Beginn seiner Laufbahn in den 70ger Jahren bekennt er sich zum größten Fan der säurebalancierten Dauerwelle Minipli. Er ist davon überzeugt, dass diese Frisiertechnik die einzige ist, um auch die störrischsten Haare in gleichmäßige und pflegeleichte Locken verwandeln zu können. Das Geheimnis seines Erfolgs liegt in der Analyse des jeweiligen Haares und der sorgfältigen Abstimmung der Pflege. Dabei ist es ganz gleich, welche Struktur und welchen Charakter sie haben. Bevor der Meister mit dem eigentlichen Frisieren beginnt, wäscht er die Haare ausgiebig mit duftendem Kräutershampoo, führt eine homogenisierte Kopfhautmassage durch und verteilt eines von Ihm selbst gebrautes Pflegeserum. Zum Aufrollen der Haare nimmt er nur feine, gleichmäßige Strähnn auf kleine Wickler. Damit die Enden nicht abknicken oder verfranzen, klappt er diese fein säuberlich in hauchdünnes Spitzenpapier ein. Anschließend achtet er auf die genaue Befolgung der Einwirkungszeit des chemischen Dauerwellenmittels und der richtigen Temperatur unter der Wärmelufthaube.

In und vor seinem Friseursalon wirbt Chris Well für den Minipli und garantiert den Kunden, dass unter seiner Hand die Haare das größtmögliche Volumen, extreme Haltbarkeit und schillernden Glanz erhalten. Die beste Werbung für seine Überzeugung aber ist er selbst. Von je her trägt er die Kultkrause in Kombination mit einer vollendeten Vokuhila. Die kleinen hellbrünetten Haarlocken umschmeicheln sein bartloses Gesicht und bringen seine hellblauen Augenpupillen zum Leuchten. Unterstützt wird der Lockenstyle von dichten Krauskoteletten, die jeweils rechts und links entlang der Schläfen abwärts breiter werden. Mit seinem Outfit im Stil der 70ger Jahre macht der Althippie sich und seinem Salon alle Ehre. Überwiegend trägt er einen senfgelben Cordanzug mit Beinschlag und einem Gürtel mit ausladender Goldschnalle. Passend dazu wählt er ein bunt gemustertes Flower-Power-Hemd mit großem, spitzen Kragen. Selbstverständlich darf der goldene Schmuck an Hals, Finger und Armgelenk nicht fehlen. Anstatt unbequeme Plateauschuhe zu tragen, helfen Turnschuhe aus Naturfaser seinen schwer arbeitenden Füßen frisch über den langen Tag zu bleiben.

Das Lebensgefühl von Chris Well ist geprägt von Individualität, Kreativität und Toleranz. Dies spiegelt sich in der äußeren Erscheinung ebenso wie in dem Look seines Salons wieder. Die Räumlichkeiten sind im Stil der 70ger Jahre eingerichtet.  Die Wände sind mit festen Tapeten in großzügig angelegten abstrakten Formen verziert, die Möbeln laden in bequemer Nierenform zum Sitzen ein und die Waschbecken haben sind mit einer elegant geschwungenen Form und goldglänzenden Amaturen versehen. Die Farbgestaltung folgt der Vorliebe des Geschäftsinhabers in Senfgelb, Hellblau, Rosarot, Apfelgrün und Gold.  Unterstützt wird die freundliche Atmosphäre durch die warme Beleuchtung der pastellfarbenen Tütenlampen. Während Chris Well und seine Angestellte die Kunden umsorgen, ertönen im Hintergrund leise Klänge von Boney M., Hot Chokolate und Amanda Lear.

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